17. Januar 2020
Zürich

Fokus-Tage - Öffentlicher Vortrag

im Rahmen der postgradualen Weiterbildung in psychoanalytischer Psychotherapie (PTW)     

«Aufsuchende Psychoanalyse» in der Frühprävention. Psychoanalytische Präventionsforschung, diskutiert am Beispiel der EVA Studie und der ERSTE SCHRITTE Projekte.

Marianne Leuzinger-Bohleber, Prof. Dr. (Frankfurt)


Moderation: Vera Hortig, lic. phil. (Zürich)

  • Freitag, 17. Januar 2020
  • 20:30–22:00 Uhr
  • im Freud-Institut Zürich
  • unentgeltlich
  • anerkannt von SGPP und PSY-Verbänden, je 2 Credits
  • Keine Anmeldung erforderlich

Wie anhand eines kurzen Fallbeispiels aus der LAC-Depressionsstudie einleitend illustriert werden soll, stellen frühe Traumatisierungen ein großes Risiko für die psychische und psychosoziale Entwicklung dar. Daher hat die Psychoanalyse seit ihren Anfängen versucht, ihr reiches Wissen zur psychischen Entwicklung und ihren Chancen und Klippen für die Prävention zu nutzen, woran im ersten Teil des Vortrags an Anna Freud, August Aichhorn, Siegfried Bernfeld und viele andere erinnert wird. Auf dieser Tradition aufbauend legte daher das Sigmund-Freud-Institut Frankfurt, als psychoanalytisches Forschungsinstitut mit einer berühmten kulturkritischen Tradition seit seiner Gründung durch Alexander Mitscherlich 1960, einen seiner Forschungsschwerpunkte auf die Frühprävention von Kindern, die in Stadtteilen von Frankfurt mit einem erhöhten Anteil an ökonomisch benachteiligten Familien sowie Migranten und traumatisierten Flüchtlingen aufwachsen. Zusammen mit dem Anna-Freud-Institut Frankfurt, dem Ausbildungsinstitut für psychoanalytische Kinder- und Jugendlichentherapie, wurden - im Sinne einer „Aufsuchenden Psychoanalyse“  - mehrere große Präventionsprojekte realisiert, zuletzt - im Zusammenhang mit der sogenannten Flüchtlingskrise - das STEP-BY-STEP Projekt zur Unterstützung traumatisierter Flüchtlinge in der Erstaufnahmeeinrichtung „Michaelisdorf“ in Darmstadt. Dieses Projekt baute, wie im zweiten Teil des Vortrags aufgezeigt wird, besonders auf den Ergebnissen der EVA Studie (EVAluation zweier psychoanalytisch orientierter Frühpräventionsangebote in Kindertagesstätten in Frankfurt) auf. Wie anhand empirischer Ergebnisse und ausgewählter Fallbeispiele illustriert wird, war dieser Versuch erfolgreich, das reiche Wissen der Psychoanalyse Kindern aus Familien zugänglich zu machen, die nur schwer den Zugang in psychoanalytische Praxen finden.

Marianne Leuzinger-Bohleber, Dr. phil., Lehranalytikerin (DPV / IPA); em. Professorin für Psychoanalyse an der Universität Kassel; Direktorin des Sigmund-Freud-Instituts (SFI) in Frankfurt am Main 2001-2016, nun Senor Scientist am SFI und an der Universität Mainz; Member des Scientific Boards des IDeA Centers der LOEWE Landesoffensive zur Entwicklung wissenschaftlich-ökonomischer Exzellenz; Co Chair for Europe des Research Boards des Research Boards der International Psychoanalytical Association (IPA) and Chair des Subcommittees for Migration und Refugees des IPA (bis 2019).

Sie erhielt den Mary Sigourney Award 2016 und den Haskell Norman Prize for Excellence in Psychoanalysis 2017.
Arbeitsgebiete: klinische und empirische Forschung in der Psychoanalyse, Adoleszenz, psychoanalytische Entwicklungspsychologie, Frühprävention, Psychoanalyse und Cognitive Science / Literaturwissenschaften / Wissenschaftstheorie