2. Juli 2021
Zürich

Rende-vous mit der Autorin

Zahlreiche Persönlichkeiten deutscher, französischer und englischer Muttersprache prägen die Geschichte der schweizerischen Psychoanalyse. Sowohl Mitglieder der SGPsa als auch internationale Autorinnen und Autoren waren und sind für den Werdegang und die Identität mehrerer Analytikerinnen- / Analytiker-Generationen der SGPsa von Bedeutung. Im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe werden sie und ihr Werk vorgestellt; anschliessend folgt eine Diskussion.

Freitag, den 2. Juli 2021, 20:30–22:00 Uhr

Danielle Quinodoz (1934–2015): «Worte, die berühren: Eine Psychoanalytikerin lernt sprechen»     

Ines Schonauer, Dr. med. (Konstanz)

Danielle Quinodoz war eine international bekannte Psychoanalytikerin, die auf eine kreative und mutige Art ein vielseitiges Werk erschaffen hat. Sie wurde 1934 in Grenoble geboren und studierte Psychologie an der Sorbonne in Paris. Von 1955 bis 1966 arbeitete Danielle Quinodoz an verschiedenen Institutionen in Genf. Zunehmend wandte sie sich der Psychoanalyse zu, wurde Ausbildungsanalytikerin der Schweizerischen Gesellschaft für Psychoanalyse und arbeitete in freier Praxis in Genf. Zu ihren Hauptwerken zählen «Le vertige, entre angoisse et plaisir» (1994), «Worte, die berühren» (2004 / fr. 2002) und «Älterwerden - Eine Entdeckungsreise» (2010 / fr. 2008).  Im Buch «Worte, die berühren» bringt Danielle Quinodoz das Konzept von «psychischer Heterogenität» in der klinischen Arbeit nahe. So würden in der Psyche von heterogenen Patientinnen und Patienten gegensätzliche psychische Anteile bestehen. Einerseits seien sie fähig zu symbolisieren und verfügten über neurotische Abwehrmechanismen, andererseits bestünden auch archaischere Anteile mit frühen Abwehrmechanismen, die sich mitunter nonverbal zeigten. Danielle Quinodoz beschreibt, wie es gelingen kann, sich als Analytikerin für abgespaltene und unzureichend symbolisierte Anteile der Patientinnen und Patienten zu öffnen und ihnen mit „Worten, die berühren“ zu helfen, zu Symbolisierungen zu gelangen. Die Besonderheit in der Arbeit mit diesen Patienten liege darin, beiden psychischen Anteilen in der Übertragung und Gegenübertragung Raum zu geben. Anhand einer eigenen Fallvignette werde ich versuchen, diese Überlegungen deutlicher zu veranschaulichen und das Auftauchen von Vorsymbolischem, dessen innere Verarbeitung und Versprachlichung aufzugreifen. So werde ich mein Vorgehen schildern, wie ich das Übertragungs-Gegenübertragungsgeschehen in Worte auszudrücken suche und wie meine analytische Sprachfindung durch die Auseinandersetzung mit diesen Konzepten von Danielle Quinodoz mitbeeinflusst wurde. 

  • im Freud-Institut Zürich
  • unentgeltlich
  • anerkannt von SGPP und PSY-Verbänden, 2 Credits
  • Öffentliche Veranstaltung, keine Anmeldung erforderlich

Verantwortlich: Maria Gubelmann, lic. phil., maria.gubelmann@bluewin.ch