1. Dezember 2017
Freud-Institut Zürich

 Vortragszyklus

«Todestrieb: Kultur und Klinik»

Selbstzerstörungsnarrative. Perspektiven aus der Literatur

Arata Takeda, Dr. phil. (Berlin)

Moderation: Wolfgang Roell, Dr. phil. (Zürich)

Ort: Freud-Institut Zürich, Zollikerstrasse 144, 8008 Zürich

Zeit: 20:30 Uhr

Die Veranstaltung des Zyklus ist öffentlich, Eintritt frei, anerkannt von SGPP und PSY-Verbänden, 2 Credits

Abstract

Terroranschläge durch Menschen, die sich in die Luft sprengen und andere mit in den Tod reißen, sind zum Menetekel unserer Zeit geworden. Das Phänomen des simultanen Auftretens von Auto- und Heteroaggression jedoch ist seit der Antike bekannt und kennt unterschiedliche Handlungs- und Darstellungsmuster, die sich in mythischen, religiösen und (para)historischen Erzählungen niedergeschlagen haben. So gibt es neben der noch jungen Geschichte empirischer Ereignisse, die heute als ‚Selbstmordattentate‘ bezeichnet werden, eine viel ältere Geschichte erzählter Ereignisse, die mit bestimmten Akzenten ausgestaltet und auf eine spezifische Wirkung hin angelegt sind. Eine besondere Bedeutung nimmt dabei der von den Handlungsträgern mehr oder weniger explizit artikulierte Todeswille ein, der – so die im Vortrag zu vertretende These – die reibungslose Funktion der Erzählungen als ‚Selbstvernichtungsnarrative‘ gewährleistet. Der Vortrag geht unter Heranziehung der Denkfigur des Todestriebes der historischen Entwicklung dieses Zusammenhanges nach.

Arata Takeda ist vergleichender Literatur- und Kulturwissenschaftler und forscht und lehrt an der Freien Universität Berlin. Zurzeit leitet er das durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft geförderte Projekt «Aristotelische Verhandlungen» zur Theoriegeschichte der Tragödie an der Friedrich Schlegel Graduiertenschule für literaturwissenschaftliche Studien. Seine 2008 an der Universität Tübingen vorgelegte Dissertation «Ästhetik der Selbstzerstörung. Selbstmordattentäter in der abendländischen Literatur» erlangte durch ein von Alexander Kluge geführtes Interview öffentliche Aufmerksamkeit. Seine weiteren Arbeitsschwerpunkte liegen in den Bereichen der interkulturellen Hermeneutik, Dramen- und Erzähltheorie und der literarischen Anthropologie. Neben literatur- und kulturwissenschaftlichen Arbeiten publiziert er auch zu bildungs- und gesellschaftspolitischen Themen wie Theorie und Praxis der transkulturellen Erziehung und Kulturalismus in der Einwanderungsgesellschaft.

Literatur zum Vortrag:

  • Croitoru, J. (2003): Der Märtyrer als Waffe. Die historischen Wurzeln des Selbstmordattentats. München (Hanser)
  • Hoffman, B. (2003): The Logic of Suicide Terrorism. In: The Atlantic Monthly, 291.5: 40–47
  • Pape, R. A. (2006): Dying to Win: The Strategic Logic of Suicide Terrorism. New York (Random House)
  • Reuter, C. (2003): Selbstmordattentäter. Warum Menschen zu lebenden Bomben werden. München (Goldmann)
  • Schmidbauer, W. (2003): Der Mensch als Bombe. Eine Psychologie des neuen Terrorismus. Reinbek bei Hamburg (Rowohlt)
  • Takeda, A. (2010): Ästhetik der Selbstzerstörung. Selbstmordattentäter in der abendländischen Literatur. München (Fink)
  • Takeda, A. (2012): Das regressive Menschenopfer. Vom eigentlichen Skandalon des gegenwärtigen Terrorismus. In: vorgänge, 197, 51.1: 116–129